Pressefreiheit unbestätigte Augenzeugenberichte

Fotograf bekommt aus einem Meter Entfernung Pfefferspray ins Gesicht

Eine Gastronomin mit dem Pseudonym JANK berichtet auf taz.de über einen Fotografen (unklar, ob mit Presseausweis):

7. Juli, Neuer Pferdemarkt/Wohlwillstraße, ca. 1 Uhr

Drei Polizeiwannen sausen in die enge Straße. An der Thadenstraße ist Schluss, da steht ein Feuerwehrwagen im Weg. Wenden geht nicht. Die Mannschaftswagen müssen mühselig rückwärts um die Ecke fahren, unter dem Gejohle der Leute, geschützt von ein paar behelmten Polizisten. An der Straßenecke steht auf dem Fußweg ein Mann mit einer großen Spiegelreflexkamera mit Blitzlichtgerät. Er macht Fotos von dem Manöver. Es kommt zu einem Wortwechsel mit einem der Polizisten. Der versucht, dem Mann die Kamera wegzureißen, bekommt sie aber nicht zu fassen. Dann zückt er sein Pfefferspray – und drückt ab. Mitten ins Gesicht, aus einem Meter Entfernung.

Der Fotograf heult auf und krümmt sich. Er taumelt zur Seite. Menschen fangen ihn auf, bugsieren ihn vor die Toast-Bar. Jemand nimmt seine Kamera. Andere gießen ihm aus Halblitergläsern immer wieder Wasser übers Gesicht, vor allem in die Augen. Während das Wasser fließt, stöhnt der Mann: „Mehr, mehr! Ich zahl’auch dafür!“ Die Wannen haben nun alle gedreht und fahren langsam davon. Zwei Männer laufen mit einem Schild „No G20“ ganz dicht hinterher, provozieren ein bisschen. Die begleitenden Polizisten besprühen auch sie mit Pfefferspray. Dann kommt ein Flaschenhagel aus der Menge. Fünf Minuten später kehren sie zurück, dieselbe Einheit. Diesmal zu Fuß, im Laufschritt. Dazu rufen sie sich gegenseitig zu „Volle Attacke! Volle Attacke!“ Sie rennen die Wohlwillstraße runter, müssen auf den Fußweg ausweichen, weil auf der Fahrbahn Barrikaden stehen, drängen ein paar Leute ab, die neugierig aus einer Kneipe schauen.

Wir haben in einer Zuschrift ein Video erhalten, welches diesen Fall zeigen könnte:

Kann jemand bestätigen, dass dies der Fall ist? Der Beschreibungstext des Videos auf Youtube passt sehr auf die Situation:

Am Abend nach der Welcome to hell Demo
(ca. 1 Uhr, 07.07.17)

Kreuzung Wohlwillstr./ Neuer Pferdemarkt

Mehrere Personengruppen stehen, sich friedlich unterhaltend,
an dem beliebten ”Corner” zusammen.

4 voll besetzte Mannschaftstransporter der Hamburger Bereitschaftspolizei fahren ohne ersichtlichen Grund offensiv durch die dortige Menschenmenge.

Eine Weiterfahrt in Richtung Paulinenplatz wird jedoch durch eine sich dort befindende Barrikade aus Bauzäunen erschwert.

Die Richtung Thadenstrasse wiederum blockiert ein (sich nicht im Einsatz befindendes) Fahrzeug der Feuerwehr.

Daher sieht sich die Polizei gezwungen umständlicherweise im Rückwärtsgang zu manövrieren um den Weg zurück zu fahren, den sie gekommen sind.

Inmitten der belebten kleinen Kreuzung sorgt die misslungene Aktion für Unverständnis und auch Spott gegenüber der zuvor angepreschten Kolonne.

Ein junger Mann am Rande dokumentiert den Vorgang fotografisch.

Plötzlich geht ein mutmaßlicher Truppenführer der Polizeieinheit auf den Fotografierenden zu und greift mit Vorsatz nach bzw. in seine Kamera.

Der junge Mann schafft es seine Kamera zu umklammern und sie zu schützen. Umstehende protestieren dabei lautstark.

Der Polizist lässt daraufhin von der Person und der Kamera ab und entfernt sich wenige Schritte.

Nach einer plötzlichen Drehung jedoch versprüht er ohne Warnung und aus kürzester Distanz dem zuvor Fotografierenden unvermittelt Pfefferspray ins Gesicht.

Den schlagartigen Pfefferspray Angriff begeht der Polizist mithilfe einer kleinen Sprühflasche die sich zuvor verdeckt in seiner Hand befand.

Der Angegriffene hat augenscheinlich große Schmerzen und dreht sich mit den Händen über dem Gesicht weg. Umstehende versuchen ihm zu helfen.

Der Polizist zieht nun eine weitaus größere (offizielle?) Pfeffersprayflasche von seinem Einsatzgürtel und hebt sie auf Kopfhöhe in die Luft.

Dann scheint es als gäbe er damit das Zeichen zur Weiterfahrt.
Die wendenden Fahrzeuge setzen wieder Richtung Neuer Pferdemarkt zurück.

Der betreffende Polizist schreitet unter lauten ‚Haut ab‘ Rufen der Menge voran und schwenkt drohend die größere Pfeffersprayflasche.

Eine ruhig in der Nähe stehende Person begibt sich daraufhin von der Straße auf den Gehweg.

Als die Person sich schon fast weggedreht hat kriegt auch sie noch ohne Vorwarnung einen Strahl Pfefferspray in Richtung Gesicht.

Erneut geschieht dies unvermittelt und verdeckt- aus der kleinen in der anderen Hand mitgeführten Pfeffersprayflasche und nicht aus der diesmal offen zur Schau gestellten größeren.

Anmerkung der Redaktion zu Augenzeugenberichten:

Bei unbestätigten Augenzeugenberichten haben wir nur einen Bericht, eine Schilderung oder einen Tweet und keine weiteren Belege. Wir können als Redaktion nicht überrpüfen, ob sich der Sachverhalt so zugetragen hat. Falls jemand die Situation beobachtet, gefilmt hat oder weiß, wo es Foto/Filmmaterial gibt, dann freuen wir uns über Zuschriften, die der Verifizierung des Augenzeugenberichtes dienen.