Andere Zwischenfälle unbestätigte Augenzeugenberichte

Handy- und USB-Stick-Durchsuchung vor Gewahrsamnahme

Ein Betroffener berichtet:

Kurz nach 10 Uhr bin ich am Jungfernstieg angetroffen. Dort war ein größeres Polizeiaufkommen (wohl ca. 50 helmierte, geschützte Beamte) . Es fuhr eine Delegation aus dem Hotel 4-Jahreszeiten vorbei. Die Polizisten schubsten aggressiv friedliche Demonstranten von der Straße…. Ich beobachtete das Geschehen. Als auch danach ohne offensichtlichen Grund Polizisten eine junge Frau angriffen, wies ich die Polizisten darauf hin. Ich wollte mich dann von dem Ort entfernen, bin zu dem Stadtradstand in Richtung der 4-Jahreszeiten gegangen. Nachdem ich das Rad gerade ausgeliehen hatte (10:21) kam hinterrücks ein behelmter Polizist aggressiv auf mich zu und hinderte mich an der Weiterfahrt. In aggressivem Ton forderte er mich auf meinen Ausweis vorzuzeigen. Ich verweigerte dies, fragte nach der Begründung. Diese gab er mir nicht. Stattdessen hielt er mich fest, dann wurde ich direkt von ihm und seinen Kollegen überwältigt und zu den Polizeitransportern bis auf die andere Seite des Hotels geschleppt. Dort musste ich meine Hände an den Wagen setzen und meine Beine spreizen. Meine Tasche wurden mir weggenommen, ich wurde duchsucht, meine Hosentaschen entleert.

Ein USB-stick den ich bei mir hatte und mein Handy wurden durchsucht. Um 11.40 durfte ich dann nachsehen ob das Stadtrad noch da stand (es war bereits weg). Danach erst durfte ich mit dem Handy telefonieren, so dass ich die Organisatorin des Debt20 benachrichtigen konnte, dass ich nicht die Gäste abholen könnte, die seit 11.15 an der Esplanade auf mich warteten… Die Organisatorin sprach dann auch noch mit einem der Polizisten um ihm zu erklären worum es bei dem Treffen geht. (wie ich später aus dem Bericht gelesen hatte, wurde ich paradoxerweise hauptsächlich wegen meines dortigen Engagements als Gefährder eingestuft).

Auf die Bitte dass ich gerne einen Hamburger Polizisten haben würde wurde ich nur ausgelacht. Ein Zivilfahrzeug mit einem Fahrer in Hawaiihemd und einem anderen Polizisten in schusssicherer Weste, brachte mich dann zur GESA in Harburg. Die beiden haben sich mir dann als Hamburger Polizei vorgestellt.

Ankunft in Harburg:

Es wurden erst Fotos gemacht. Ich wurde für eine erneute körperliche Durchsuchung sogar aufgefordert mich nackt auszuziehen! Ich habe 10 Stunden alleine in der Zelle eingesessen. Obwohl ich jedem sagte, dass ich unschuldig bin und erklärt hatte dass ich nur meinen Ausweis nicht zeigen wollte, hat darauf niemand reagiert. Ich sollte auf den Richter warten. Stattdessen wurde ich mal mehr mal weniger wie ein Schwerkrimineller behandelt. Ein paar Polizisten meinten ich wäre ja schlecht vorbereitet gewesen, wo sie herausfanden, dass ich nicht wusste wie ich einen Anwalt sehen kann… Diese Meinung korrigierten sie dann und meinten, dass das meine schlechte Vorbereitung ja eher positiv zu werten wäre… Mir wurde während der gesamten Ingewahrsamnahme auch kein Essen angeboten! Es hieß am Anfang, dass ich nach ein paar Stunden wieder herauskäme. Mit der Zeit wurde meine Hoffnung aber immer geringer… Zwischendurch hörte ich eine Ansage, dass ein Demonstrantenzug sich in Richtung GESA aufgemacht hatte. Insgeheim hoffte ich, dass die mich aus dieser Notlage wieder befreien könnten. Ich wollte meine Freundin anrufen und sie über meine Situation informieren. Da ich Ihre Nummer aber nicht im Kopf hatte und mir der Zugang zum Handy verboten wurde, konnte ich auch das nicht machen….

Der Ort des GESA erschien sehr surreal. Übertrieben viele Polizisten waren am und vorm Eingang postiert, zusammen mit dem Stacheldrahtzaun der um das ganze Gelände ging. Innerhalb des Geländes und in der Halle mit den Zellen waren dann nur noch Menschen (darunter viele junge Frauen und Männer und auch Kinder) mit Polizeilaibchen zu sehen. Es schien wie eine sportveranstaltung, nur dass ich dort gefangen war und mir keiner helfen konnte/wollte.

Als ich schließlich gegen 21 uhr zum Richter vorgeführt wurde, wurden mir erst die Handschellen angezogen. Danach wollten die Beamten dass ich mir die Schuhe anziehe…Auch auf Nachfrage hin wurden mir die Handschellen nicht wieder geöffnet. Die Polizisten schienen Gefallen an der Erniedrigung und ihrer Machtdemonstration zu finden. Auch während des Prozesses wurde erst nach Anweisung des Richters die Handschellen entfernt.

Nach meiner Freilassung musste ich alleine wieder zusehen wie ich zurück in die Stadt komme. Keine Entschuldigung. Keine Hilfe.

Anmerkung der Redaktion zu Augenzeugenberichten:
Bei unbestätigten Augenzeugenberichten haben wir nur einen Bericht, eine Schilderung oder einen Tweet und keine weiteren Belege. Wir können als Redaktion nicht überrpüfen, ob sich der Sachverhalt so zugetragen hat. Falls jemand die Situation beobachtet, gefilmt hat oder weiß, wo es Foto/Filmmaterial gibt, dann freuen wir uns über Zuschriften, die der Verifizierung des Augenzeugenberichtes dienen.