Polizeigewalt

Einer tanzenden Frau das Wadenbein gebrochen

Die Oase Gängeviertel berichtet, wie am 8. Juli nachts das Soundsystem des Bündnisses “Alles Allen” und die Menschen drumherum von BFE oder USK-Einheiten ohne Vorwarnung angegriffen wurden:

“Kurz nachdem gestern Nacht das SEK, bewaffnet mit Schrotflinten und automatischen Waffen, in abgedunkelten Hubschraubern auf dem Heiligengeistfeld abgesetzt wurde und an der Feldstraße Position bezogen hatte, tanzten und sangen Menschen, die sich von dem martialischen Aufgebot nicht einschüchtern ließen am Arrivati-Park auf der Straße. Mit dabei: das mobile Soundsystem von „Alles Allen“, das in den vergangenen Tagen schon die verschiedensten Ecken der Stadt beschallt hatte. Plötzlich und ohne Vorwarnung wurde die Gruppe um das Soundsystem von einer Sondereinheit der Polizei angegriffen, über zwanzig Personen wurden zu Boden geprügelt, einige erlitten Kopfverletzungen, die Anlage wurde zerstört – und einer Anwesenden wurde das Bein gebrochen. All das geschah in einer friedlichen, fast ausgelassenen Situation ohne Anlass oder Ankündigung. Den kompletten Erfahrungsbericht findet ihr hier im Interview des FSK.”

Medienberichte:
Neues Deutschland
ARD Panorama

Auf Zeit.de ist der Fall auch beschrieben:

Da ist zum Beispiel die 26-jährige Spanierin Lola, die bei dem Partyprotestkollektiv Alles Allen aus dem Gängeviertel mitmacht. Alles Allen hatte am Mittwoch vor dem G20 die friedliche Nachttanzdemo organisiert, am Samstagabend zogen rund 20 der Aktivisten einen kleinen Lautsprecherwagen in Richtung Schanzenviertel. “Wir wollten für gute Stimmung sorgen”, sagt Lola, eine schmale Frau von 1,60 Metern. Die Straße ist voller Polizisten, um ihr fahrbares Soundsystem sammeln sich rund 50 Leute, sie tanzen und singen auf dem Gehweg.

Plötzlich, so berichten Teilnehmer einhellig, stürmt ein Trupp von Polizisten auf die Gruppe zu und prügelt sich den Weg frei zu dem Soundwagen. Die zierliche Lola bekommt einen heftigen Schlag mit einem Schlagstock. “Ich konnte nicht mehr atmen vor Schmerzen”, sagt sie. In der Notaufnahme diagnostiziert der Arzt einen Wadenbeinbruch. “Die Beamten ließen von ihren Opfern selbst dann nicht ab, als ein Großteil wimmernd am Boden lag”, heißt es in einem Brief, den die Gruppe an Innensenator Grote geschrieben hat. “Stattdessen wurde auf die am Boden liegenden Personen getreten und immer wieder auf sie eingeschlagen.” Lola, die seit dem G20 auf Krücken läuft, wohnt in St. Pauli, nur zwei Häuser entfernt von Grotes Wohnung.

Abb: Original Röntgenaufnahme des gebrochenen Wadenbeines 08.07.2017