Andere Zwischenfälle

Polizei nimmt ganzen Reisebus von Jugendorganisation “Die Falken” in Gewahrsam

Aus dem Offenen Brief von Die Falken, die am 8. Juli mit einem Bus zur Großdemonstration “Grenzenlose Solidarität statt G20” unterwegs waren:

Ab ca. 7.00 Uhr wurde unser Bus von mehreren Polizeiwagen eskortiert, die verhinderten, dass wir von der Autobahn abfuhren. Erst gegen 7.45 Uhr wurden wir auf einen Rasthof unmittelbar vor Hamburg geleitet.

Vor Ort standen ca. 30 Polizist*Innen die sich ihre Schutzausrüstung anzogen und den Bus umstellten. Uns wurde mitgeteilt, dass in Kürze weitere Kräfte hinzukommen, die unseren Bus durchsuchen würden.

Einige Zeit später tauchten 50 BFE’ler*innen (Beweissicherungs- und Festnahmeeinheiten) auf, die in voller Montur die vorherigen Polizist*innen ablösten. Sie setzten ihre Helme auf und zogen sich Handschuhe an. Einzelne BFE’ler machten Drohgebärden in Richtung unserer Jugendlichen. Der Einsatzleiter stellte klar, dass von uns „ab sofort keine hektischen Bewegungen mehr durchzuführen“ seien. Sowohl in dem Moment, aber auch später blieben alle jungen Menschen ruhig und besonnen, trotz dieses massiven, einschüchternden Aufgebotes.

Der gesamte Bus wurde zur Gefangenensammelstelle Hamburg-Harburg gebracht und insgesamt vier Stunden lang festgehalten. Ein Teil der Jugendlichen wurde in Gewahrsam genommen und Leibesvisitationen unterzogen. Erst um 12.20 Uhr, nachdem die Demonstration bereits begonnen hatte, konnte der Bus weiterfahren.

Wir sind aktuell in Kontakt mit Anwält*innen, die uns beraten, ob und inwiefern wir juristisch vorgehen können.

Erst im Nachhinein und in den vergangenen Tagen berichteten unsere Jugendlichen über ihre Gefühle von Ohnmacht, Hilflosigkeit und der Einschüchterung, der sie ausgesetzt waren. Einige von ihnen brauchen aktuell psychologische Unterstützung. Wir stehen natürlich auch in engem Kontakt mit ihnen und versuchen sie zu unterstützen, wo es möglich ist.

Update:
Die Falken verklagen die Stadt Hamburg. Innensenator Grote hat sich entschuldigt, es habe eine Verwechslung vorgelegen, schreibt der WDR.

Medienberichte:
WAZ
WDR
FAS
FAZ.net