Polizeigewalt

Schläge und Drohungen bei einer Gewahrsamnahme

Leo Castro berichtet auf Facebook:

“This is what democracy should not look like.
Nachdem ich vor wenigen Tagen noch einen wohlwollenden Post den eingesetzten Beamten beim Hamburger G20-Gipfel gegenüber gesetzt hatte wurde ich in dieser Nacht belehrt, was Polizeigewalt bedeuten kann.
Um circa 1.30 Uhr wurde ich von der Polizei festgenommen, während ich ruhig sitzend auf einer Treppenstufe abwartete, dass die Tumulte vorbeigehen um zu einem anderen Teil der Schanze in Hamburg zurückzukehren. Nahezu aus dem nichts rannten mehrere Beamte auf mich zu, schlugen meinen Kopf gegen den Hauseingang an den ich lehnte. Ich sagte bewusst dass sie mich festnehmen können und ich keinerlei Widerstand leisten werde, woraufhin mehrere Schläge ins Gesicht folgten sowie diverse Beleidigungen und Drohungen, man würde mich weich schlagen und dass ich nicht mehr aufwache. Während ein Beamter mich Schlug, drückte ein weiterer meinen rechten Daumen derart tief nach unten, dass dies möglicherweise eine ernsthafte Verletzung zur Folge hat.

Nachdem mich die Beamten mehrere Minuten, ich sitzend, schlagend und beleidigend malträtierten nahmen sie mich in einem Griff, der verlangte dass ich mit dem Kopf etwa auf Kniehöhe laufen musste. Sie fragten mich “Bist du jetzt friedlich” was ich bejahte. “Du sollst die Schnauze halten” war die Antwort und ein weiterer direkter Schlag ins Gesicht. Sie drohten mir an mich umzubringen. Während sie mich als “Dreckszecke”, “Kanacke” und “Muschi” beleidigten und der eine meinte “ich würde dir aus einem Meter Entfernung direkt ins Gesicht wichsen” leiteten sie meinen Kopf in Richtung eines Pfeilers um ihn mit ihm zu kollidieren. Mit wenigen Zentimetern Abstand wendeten sie die Richtung ab. “Hast ja nochmal Glück” gehabt war der beiläufige Kommentar. Sie drohten auch mich umzubringen.

Mit starken Nasenbluten wurden mir 10-15 Minuten Fußweg später meiner Sachen entnommen und ich in ein Transporter gesperrt. Medizinische Versorgung gab es für mich nicht. Mir wurden circa 3 Stunden mit Kabelbinder die Arme hinterm Rücken zusammengebunden bis ich mit 4 weitere Personen zur GESA in Harburg gefahren wurde.
Dort musste ich mich einmal komplett nackt ausziehen und eine Kniebeuge machen. Anschließend wurde ich ohne medizinische Versorgung in einen Container ohne sanitäre Einrichtungen oder einer Liege oder Ähnlichem in Einzelhaft für circa 11 Stunden gesperrt, 2 davon mit einem Zellenpartner. Erst nach 5 Stunden und mehrmaligen Aufmuckens meinerseits wurde mir mein Recht auf einen Anruf gewährt und ein Arzt wurde bereit gestellt. Ein Toilettengang musste angemeldet werden und wurde erst nach 30-60 Minuten ermöglicht.

Um circa 15.30 wurde ich plötzlich freigelassen, ohne Richtspruch ohne gar nichts, als wäre nie etwas gewesen.
Noch viele weitere Dinge sind passiert, die ich noch genau dokumentieren werde. Jetzt trage ich eine sehr dicke, möglicherweise gebrochene Nase, blaue Flecken und Schürfwunden am ganzen Körper, einen überdehnten Daumen und ein blaues Auge.

Ich bin nicht der einzige dem es diese Tage in Hamburg so oder ähnlich erging, ich konnte aus dem Wagen heraus beobachten, wie sie einen Mann “medizinisch Versorgten” der quasi eine einzige Schnittwunde war, es sah so aus, als hätte die Polizei ihn bei der Festnahme einmal mit dem ganzen Körper durch die Scherben gezogen. Auch einen augenscheinlich 12-Jähriger Junge wurde mit dem Transporter zur GESA gebracht. Viele Menschen wurden teils sehr schwer verletzt. Menschen wurden brutalst mit Tritten und Schlägen behandelt. Menschen die friedlich am Rand standen.

Dieses Wochenende war eine Schande für die Demokratie und es ist wichtig diese Vorfälle nicht im Stillen verfallen zu lassen. Deswegen publiziere ich meinen Vorfall. Ich hoffe weitere machen mit.”

Ein längeres Protokoll seiner Erlebnisse findet sich bei “neues deutschland”: Sie haben gedroht mich umzubringen